Auf diesen
Seiten könnt Ihr die unterschiedlichsten Meinungsäußerungen
zum Thema Teletubbies lesen. Wir wollen Interessenten einen kleinen
Überblick verschaffen, was über die Teletubbies geschrieben wurde
und wird. Hierbei handelt es sich um Artikel die im deutschsprachigen
Raum erschienen sind. Jeder der zum Thema Kleinkinder, TV
und Teletubbies fragen hat, findet hier vielleicht eine Antwort.
Die Artikel wurden Teilweise aus Zeitschriften oder dem Internet zusammengetragen.
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Unter
dem Titel "Den Kaninchen
hinterher " erschien folgender
Artikel in der Berliner Morgenpost, 16 Juli 1999. (ungekürzt)
Die "Teletubbies"
sorgen im Kinderkanal für Rekordquoten.
Pädagogen mahnen, Kinder sind begeistert
Hinter den Hügeln und keinem bekannt, hier
liegt das Teletubbyland»:
So beginnt jede Folge der «Teletubbies». Tatsächlich
wissen nur wenige,
wo sich Teletubbyland befindet. Dabei haben Witzbolde die
englische Grafschaft Warwick,
bislang bekannt als Heimat Shakespeares, längst in Teletubby-County
umbenannt:
Vor den Toren von Stratford-upon-Avon, dem Geburtsort des
Dichters,
liegen die Produktionsstätten des erfolgreichsten englischen Fernsehexports.
Rein kommt da keiner. Anne Wood, Schöpferin der Teletubbies,
will vermeiden,
daß Kinder ihre Illusionen verlieren: Hinter den
Verkleidungen von Tinky Winky (lila),
Dipsy (grün), Laa-Laa (gelb) und Po (rot) verbergen sich
zwei Männer und zwei Frauen;
ihre tänzerische Ausbildung ermöglicht es ihnen, trotz des
Gewichts der Kostüme
unbeschwert durch die sattgrüne Landschaft zu hüpfen,
in den «tubbytronischen Superiglu» zu hopsen oder hinter
Kaninchen
(eine extra große Sorte) her zu tapern.
Die friedliche Atmosphäre, die die Serie verbreitet, scheint
universelle Grundbedürfnisse
zu befriedigen - mehr als 60 Sender in über 40 Ländern
haben die Senderechte erworben.
Und überall das gleiche Bild: Kinder sind begeistert, Eltern
zunächst skeptisch,
dann aber, resignierend, ebenfalls angetan; nur Pädagogen
haben Probleme.
So wunderbar friedlich
Es sei völlig überflüssig, Menschen bereits im Säuglingsalter
ans Fernsehen zu gewöhnen,
das passiere noch früh genug; und die ostereibunten
Pummeldinger taugten nicht
als Vorbild für Kinder, da sie in Babysprache kommunizierten,
was den Spracherwerb
kleiner Zuschauer behindere. Anne Wood vertritt hingegen den
Standpunkt:
Kleine Kinder sehen sowieso fern, warum also nicht eine
Sendung, die auf ihre
Fähigkeiten zugeschnitten ist?
Tatsächlich widerspricht die Erzählweise der 25 Minuten
langen Folgen jeder
modernen Dramaturgie. Die «Teletubbies» stecken voller
Redundanzen.
Alles wird ständig wiederholt, ob sie nun rutschen, durch Türen
rein und raus laufen;
sogar die kurzen Filme, die in jeder Folge auf einem der
Tubby-Bäuche
eingespielt werden, sind zweimal zu sehen. Die «Teletubbies»
erfüllen damit
nahezu perfekt eine Forderung der verstorbenen
Medienpsychologin Hertha Sturm.
Sie kritisierte das Fernsehen, weil es den Zuschauern keine
Zeit lasse,
das Gesehene auch zu verarbeiten.
Erwachsene sind anfangs gleichwohl befremdet. Ihnen muß das
Szenario vorkommen
wie eine negative Utopie von H.G. Wells («Die Zeitmaschine»):
Friedliche Wesen werden
von einer anonymen Macht unterdrückt, die ihre Kommandos per
Duschkopf gibt
(«Zeit für Tubby-Winke-Winke») und die Bäuchlinge mit
Halluzinogenen (die Filme)
ruhigstellt.
Aber die Kinder lieben die Figuren mit den Babyrundungen. Im
Programm des Kinderkanals
von ARD und ZDF dürften die «Teletubbies» zum
Erfolgreichsten gehören, was der Sender
in der Zeit seines 30monatigen Bestehens ausgestrahlt hat.
Seit Ende März ist die Serie
auch in Deutschland zu sehen.
Als der Sendetermin um 7.30 Uhr gestrichen wurde, gab es wütende
Proteste
und fast flehende Bitten, die Streichung rückgängig zu
machen: Kinder bräuchten vor dem
Kindergarten ihre tägliche Ration «Teletubbies». Skeptiker
dürften sich durch die Protokolle
der Anrufe bestätigt fühlen: Einige Kinder, heißt es da,
«hätten sich schreiend geweigert,
in den Kindergarten zu gehen, ohne vorher die Teletubbies
gesehen zu haben.»
Möglicherweise in Verkennung des Potentials hatte man beim
Kinderkanal die Serie
nur morgens und vormittags gezeigt - unerreichbar also für
Schul- und Kindergartenkinder,
die dem Sender in den Ferien allerdings einen enormen
Quotenzuwachs bescherten.
Der Kinderkanal zog die Konsequenz. Ab dem 3. September läuft
die Serie
nicht nur morgens um 9 Uhr, sondern auch auf dem besten
Sendeplatz,
den der Kinderkanal überhaupt zu bieten hat: abends um 18
Uhr.
Die Zuschauerpost ist überwiegend positiv, doch gerade in E-Mails
findet sich Kritik.
Jochen und Paul (Vater und Sohn) hatten «das Gefühl, im
Irrenhaus zu sein» und fragen,
ob man denn «jeden amerikanischen (!) Mist» zeigen müsse;
andere sprechen von
«lallenden Figuren», mit denen «Kinder für dumm verkauft»
würden.
Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte bemüht die
kunterbunte Kuschelbande
für seine These, immer mehr deutsche Kinder seien
fernsehgeschädigt; die «Teletubbies»
müßten «unter dem Deckmantel des pädagogisch Wertvollen»
als Ersatzbabysitter
herhalten. Mitunter wird der Kulturkampf komisch: Dem
lilafarbenen Tinky Winky wird von
dem amerikanischen Fernsehprediger Jerry Falwell nachgesagt,
er sei homosexuell,
wohl, weil Tinky Winky öfters mit einer roten Handtasche
durchs Bild läuft.
Die meisten Briefschreiber allerdings sind begeistert.
Kinderkanal-Chef Albert Schäfer
berichtet vom Brief einer Berliner Nonne, die gemeinsam mit
ihren Ordensschwestern
noch keine «Teletubbies»-Folge verpaßt habe; sie hielten,
zitiert Schäfer,
«die Geschichten für sehr lehrreich und regen an, ein
Bilderbuch herauszubringen».
Ein frommer Wunsch: Die BBC hat sich mit dem Verkauf von
Serie und Lizenzen für «Teletubby»-Produkte gründlich saniert. Die Einnahmen aus
dem Verkauf der bislang
260 produzierten Folgen und aus dem Merchandising betrugen
zwei Jahren
über 150 Millionen Mark. Die Vorstellung einer
Ordensschwester,
die in «Teletubby»-Bettwäsche schläft, ist immerhin recht
amüsant.
Unter
dem Titel "Werden schon Babys verblödet?"
erschien folgender Artikel in der WZ
vom 7. August 1999:
(ungekürzt)
Die Brabbel-Serie "Teletubbies":
Medienpädagogen finden sie harmlos,
Kinderärzte warnen vor Kontaktproblemen.
Kleinkinder kommen von der
Glotze nicht mehr weg, Eltern schlagen oft die Hände über
den Kopf zusammen. Seit März läuft die britische Serie
" Teletubbies "
über deutsche Bildschirme, nicht zuletzt wegen des großen
Erfolgs scheiden sich
aber die Geister an den Hutzelpuppen, die auch Kinder unter
drei Jahren ansprechen
sollen.
Am Freitag warnten Kinderärzte vor der Serie, da solche
Sendungen " unter dem
Deckmantel des pädagogisch Wertvollen " Kinder von früh
auf ans Fernsehen bindeten. Beim Kinderkanal von ARD und ZDF, der die Serie
zweimal werktäglich
ausstrahlt, wird dagegen auf eine Flut von positiven
Zuschriften verwiesen.
" Wir haben eine unglaubliche Resonanz ", erklärt
Christiane Rhode, Sprecherin des
Kinderkanals. Die ARD, die die " Teletubbies "
samstags zeigt, erreicht damit einen
Marktanteil von 18,8 Prozent bei den Drei- bis Fünfjährigen.
Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte erklärte in Köln,
dass in die Praxen
zunehmend Kinder kämen, die unter Sprachstörungen,
Konzentrationsschwäche,
Lern- oder Kontaktproblemen litten.
Vor allem diejenigen Kinder wiesen
Verhaltensauffälligkeiten und Rückstände
in der geistigen Entwicklung auf, die sich viel in der
Fernseh- und Computerwelt
aufhielten. Christiane Rohde betont dagegen, dass es auch
unter Kleinkindern
" ein Potenzial " an TV-Zuschauern gebe. "
Wenn sie gucken, dann sollen sie etwas
Adäquates sehen ", sagt sie.
Medienpädagogen haben den von der BBC inzwischen in über 30
Ländern verkauften
" Ee-oh " Brabbler allerdings eine
Unbedenklichkeitserklärung ausgestellt.
" Die Serie ist relativ harmlos ", meint auch
Medienforscher Günther Anfang vom Institut
Jugend Film Fernsehen, auch wenn er persönlich die Serie
wegen der kitischigen Inhalte
" schrecklich " finde. " Kinder haben aber
andere Berwertungsmaßstäbe."
Die Kinderärzte wollen das Medium Fernsehen nicht generell
verteufeln.
Eigeninitiativen und Fantasie der Kleinen können jedoch mit
der Zeit verkümmern,
wenn Eltern ihren Kindern beim Fernsehen nicht selbst vernünftige
Grenzen setzen.
Eltern sollten die Sendung mit ihren Kindern zusammen ansehen,
ist auch der fromme
Wunsch von Kinderkanal-Sprecherin Rohde. Deshalb wird ab 3.
September der
bisherige Mittagstermin um 12:15 Uhr auf die
familiengerechtere Zeit um 18:30 Uhr
verlegt werden. Die erste Sendung der " Teletubbies
" wird aber weiter
um 9 Uhr ausgestrahlt.
Eine heile Welt. Der Himmel
ist blau und nur ein paar kleine Wölkchen hängen in der
Luft.
Eine Sonne mit dem Gesicht eines Kindes schaut den Tubbies
beim Spiel zu und gluckst
fröhlich. Auf den hügeligen, grünen Wiesen mit den vielen
Blumen tummeln sich Kaninchen.
Und mittendrin steht eine Art Iglu, in dem die Teletubbies
leben.
Was sie nun genau sind und woher sie kommen, kann man unmöglich
sagen.
Aber welches kleine Kind fragt schon danach? Es sind einfach
freundliche und pelzige
Wesen mit einer Art Antenne auf dem Kopf und einem Monitor
auf dem Bauch,
die Spaß am Leben haben. Da wären der lilafarbene Tinky Winky, der oft mit einer
Handtasche durch die Gegend läuft. Der grüne Dipsy spaziert
hingegen des öfteren mit
einem Hut durch die Wiesen. Die gelbe Laa-Laa spielt gerne
Ball und die rote Po
hat jede Menge Spaß mit ihrem Roller.
Alles in allem, eine Sendung, die Kindern einfach Spaß
machen muß. Aber Kritiker liefen
Sturm gegen die putzigen Wesen mit den Antennen. Sie hielten
sie für bedenklich.
Aber die Kinder schlossen die Tubbies gleich in ihr Herz. Oft
wird die Sendung als blöd
und überhaupt nicht lehrreich abgestempelt. Doch lehrreich
ist die Sendung allemal.
Können die Kinder doch einfache Dinge von den Teletubbies
lernen. Einfache Dinge,
wie vor und hinter oder rauf und runter werden liebevoll erklärt
und durch häufiges
Wiederholen, sei es gesprochen oder auch vorgemacht, prägen
es sich die Kiddies ein.
Das ständige Wiederholen mögen die Erwachsenen sicher dämlich
finden,
aber so können es die Kleinen schneller behalten. Wer könnte
da etwas dagegen haben?
Die "Sesamstraße" macht es ähnlich, wenn auch für
die älteren Kinder. Die meisten
Kritiken an der Sendung sind oft relativ oberflächlich und
ungenau. Wahrscheinlich haben
nur wenige eine oder mehrere Folgen gesehen. Und wir
Erwachsenen machen doch auch
viele Sachen, die manchmal weder Kindern noch anderen
Erwachsenen begreiflich sind.
Fangen die Antennen auf den Köpfen der Tubbies an zu
leuchten, gehen ihre Monitore
auf dem Bauch an. Einer der vier Wesen darf dann einen Film
auf seinem Bauchmonitor
vorführen. Bei den kurzen Filmen handelt es sich um
Geschichten, in denen Kinder die
Hauptrolle spielen. Meistens sind die Tubbies davon so
begeistert, daß sie den Film
noch mal sehen wollen. Was die Sprache angeht, so sprechen
die Tubbies miteinander so,
wie sich auch kleine Kinder unterhalten. Aber sind es nicht
vor allem die Erwachsenen,
die mit den Kinder auf diese Weise kommunizieren? Wer kann
was gegen die
Teletubbies-Sprache haben, wenn er im nächsten Augenblick
seinem Kind mit dem
Worten "Na Du, willst Du etwas Laa-Laa?", ein Stück
Schokolade anbietet?
Oder haben Sie noch nie zum Abschied zu einem Baby "Winke,
winke" gesagt?
Mal ehrlich...
Die Tubbies finden aber nicht nur die Kleinsten toll.
Mittlerweile genießen sie Kultstatus.
Immer mehr finden Gefallen an ihnen. Schwulengruppen haben
Tinky Winky, der lilafarbene
mit der Handtasche, als "Maskottchen" auserkoren.
Kein Wunder, denn er trägt schließlich
auch eine Handtasche - und das als Junge. Mittlerweile haben
die meisten Erwachsenen
die Tubbies akzeptiert und es gibt auch schon jede Menge Fans
unter ihnen. Wer etwas
gegen die Teletubbies hat und meint, sein Kind solle sich
sowas nicht anschauen,
der braucht sein Kind ja einfach nicht vor den Fernseher zu
setzen.
Und besser als die Action-Trickfilme, in denen sinnlos
rumgeschlagen und geschossen wird,
sind die Teletubbies allemal. Hier hält sich die Kritik
jedoch in Grenzen.
Wie Eltern ihre Kinder das sehen lassen, kann ich wiederum
nicht verstehen....
Unter
dem Titel "Im Bett mit Laa-Laa" erschien folgender Artikel
Quelle : Berliner-Online Zeitung: (ungekürzt)
Tinky Winky mißt zwei Meter zehn, Dipsy fehlt
der Kopf: Ein Besuch im Teletubbieland
Von Tom Levine
TELETUBBIELAND, 9. Juli. Vorweg eine
Warnung. Dieser Text ist absolut ungeeignet
für Dreieinhalbjährige. Kein Teletubbie-Fan unter vier
Jahren soll wissen müssen,
daß Tinky Winky gute 2,10 Meter groß ist. Verraten wir es
ihnen also nicht. Versprochen?
Der erste Teletubbie, den wir nach
Erreichen von Teletubbieland zu Gesicht bekommen,
ist Dipsy (der grüne). Genauer gesagt treffen wir Dipsy nur
teilweise.
Sein medizinballgroßer Kopf ruht sanft auf einem
Campingtisch in der Schrebergartenidylle
zwischen einigen olivgrün gestrichenen Containern, die man
an geheimem Ort
in der Nähe von Stratford-upon-Avon auf eine Wiese gestellt
hat.
Beunruhigenderweise fehlen Dipsy nicht nur der Rest-Körper,
sondern auch die hübschen Klapperaugen. Rund um den
Campingtisch kräuselt
sich dagegen streifenweise violettes Tinky-Winky-Fell auf den
Kieseln.
Ob die beiden hier Streit gehabt haben? Ach, natürlich
nichts dergleichen.
Hier liegt nur der wartungsbedürftige Dipsy-Ersatzkopf.
Der wirkliche Dipsy wankt gerade im Gänsemarsch mit Po und
Tinky Winky aus der tür
des "Iglu" heraus, dem kuppelartigen Heim der Teletubbies, das hinter den Containern in einer künstlichen Senke steht. Den Iglu gibt es wirklich
und ganz real in Teletubbieland,
komplett mit Tubbiebetten und Tubbie-Puddingmaschine, Tubbietoaster und
Tubbietisch. Hier
wird gedreht,
wenn schlechtes Wetter herrscht. Draußen können wir auf den
hübschen,
kleinen Rasenhügeln herumlaufen, zwischen denen die
Teletubbies ihre Abenteuer
bestehen, wenn die Sonne scheint. Am Wiesenrand steht die
Windmühle,
hin und wieder stolpert man über ein paar Blumen, Löcher im
Boden deuten dezent
auf die Telefonhörer hin, die in Teletubbieland manchmal aus
der Tiefe schießen.
Teletubbieland ist real, wenngleich insgesamt nur ungefähr
fußballfeldgroß.
Wobei das mit der Größe so eine Sache ist. "Kinder
identifizieren sich
mit den Teletubbies", erklärt den Besuchern eine
Mitarbeiterin von der
Produktionsfirma Ragdoll, die die Tubbies erdacht, entwickelt
und Teletubbieland
vor vier Jahren auf eine grüne Wiese gesetzt hat. "Deshalb
wären sie absolut
schockiert zu sehen, wie groß hier wirklich alles ist.
Deshalb lassen wir auch Kinder
grundsätzlich nicht aufs Gelände."
Um die Größenverhältnisse nicht völlig aus dem Ruder zu
lassen, hat Ragdoll sich
sogar flämische Riesenkaninchen besorgt. Die wirken neben
den Tubbies nicht so klein.
Derartige Sorgfalt, so sagen uns die Mitarbeiter, ist absolut
entscheidend für den Erfolg
der Teletubbies. "Wenn man Fernsehen für Kinder macht,
darf man nicht zynisch sein",
sagt Andrew Davenport, als Regisseur und Drehbuchautor einer
der entscheidenden
Väter des Tubbieerfolges. "Wir müssen uns in die
Phantasiewelt einlassen." Für Davenport,
der vor Teletubbietagen als Sprachtherapeut gearbeitet hat,
zeigt sich der Erfolg in den
wöchentlichen "Testsendungen", die in ausgewählten
Kindergärten und Krabbelgruppen
gezeigt und gefilmt werden. "Wenn die Kinder nicht
reagieren, dann ist unser Produkt
nicht gut", sagt er. Für andere, etwa BBC Worldwide als
Vertreiber der Rechte,
drückt sich der Erfolg in Zahlen aus: Teletubbies gibt es in
120 Ländern und 21 Sprachen,
sie sind weltweit Marktführer im Vorschulbereich, und die
Puppen, Stikker, Bücher, Spiele und Kassetten gehen weg wie Freibier.
In Deutschland steht dem "Durchbruch" der
Teletubbies noch öffentliche Skepsis entgegen,
glaubt man beim Kinderkanal. "Aber Eltern müssen nur
einmal gesehen haben,
wie ihre Kinder auf die Teletubbies reagieren, dann ist der
Zweifel weg", heißt es.
Zurück ins Iglu, wo wir ins Bett steigen dürfen
zu Laa-Laa. Leider ist auch Laa-Laa
nicht ganz vollständig. Dem Kopf fehlt der Torso, dem Torso
Hände und Füße.
Aus dem Kopf ragen die Fernbedienungsdrähte für den Mund
und die Klapperaugen heraus.
Die Schauspielerin, die eigentlich unter den Kopf und in Laa-Laa
gehört, ist auch
verschwunden zum Teetrinken. Sie würde uns, wird
bedeutet, aber ohnehin keine
Interviews geben. Der Phantasie wegen.
Die spielt auch eine Rolle bei einer mutigen Entscheidung von
Ragdoll.
In einem Jahr und nach 365 Sendungen soll mit dem Drehen
Schluß sein.
Auch Teletubbieland wird dann wieder eingeebnet, samt Iglu.
Keine
Angaben zur Herkunft des Artikels (ungekürzt)
Überschrift
des Artikels: "Die Teletubbies kommen" Blablabla
der quietschebunten Männchen
Fernsehen für die ganz Kleinen: das bieten
die britischen »Teletubbies«,
die in über dreißig Ländern mit unzähligen Sendungen
einen Erfolg erzielen konnten,
der nur noch mit der »Sesamstraße« zu vergleichen ist.
Und wie einst die Einführung der Sendung, die Puppenspiel,
amerikanisches Entertainment mit pädagogisch wertvollen und
altersgemäßen
Anregungen für die Kids mischt, spaltet auch diese Serie die
Kritiker. Ein Streit,
der sich nun auch hierzulande fortsetzt, denn seit kurzem ist
die BBC-Serie
in einer deutschen Fassung täglich im »Kinderkanal« zu
erleben. Computeranimierte
Alien-Kuscheltierchen mit Fernsehern auf dem Bauch brabbeln,
plantschen, rutschen,
tanzen, stolpern und quietschen durch die Sendung. Die
Teletubbies mit so putzigen
Namen wie Tinky Winky, Dipsy, Laa-Laa und Po sind in einem
"tubbytronischen Superiglu"
zuhause, ein Zauberwindrad, vollautomatische Puddingmaschinen
und eine Baby-Sonne
gehören auch zum Tubbyland. Nicht zu vergessen der
freundliche Staubsauger No-No.
Besonders kritisiert wird die Babysprache der bunten
Teletubbies, die keinen vernünftigen
Satz zustandekriegen und alles, was sie sagen, ständig
wiederholen.
"So bekommen Kinder keine Anregung zum korrekten
Sprechen,"
sagen die einen. "Falsch," antworten die Befürworter
der Sendung.
Der Spracherwerb bei Babies und Kleinkindern würde durch den
altersgemäßen Tonfall
und die vielen Wiederholungen sogar gefördert. Das ließen
sich die Teletubbies-Macher von
Wissenschaftlern wie Prof. Dr. Jo Goebel (Utrecht)
und Prof. Dr. Hans Dieter Erlinger (Siegen) bestätigen. Ähnlich
wie bei der
»Sendung mit der Maus« verbinden die bonbonbunten
Fantasiefiguren aus dem PC
unterschiedliche Beiträge miteinander:
Die Sicht des Kindes auf alltägliche Dinge steht im
Mittelpunkt dieser fantasieanregenden,
humorvollen, emotional bewegenden und manchmal auch
lehrreichen Beiträge,
die mit Hilfe von viel Computer-Tricktechnik entstanden.
Immer stehen kleine Kinder im
Mittelpunkt der Beiträge, Erwachsene spielen nur am Rande
mit. Für die deutsche Fassung
wurde nicht einfach das Original synchronisiert, sondern die
»Teletubbies« wurden einer
strengen Bearbeitung unterzogen. Zum einen mußte die
Babysprache dem deutschen
Sprachschatz angeglichen werden, wobei auch die liebevolle
Poesie erhalten bleiben sollte.
Dazu wurden Kindergärtnerinnen, Sprachpsychologen,
Kinderfilm-Autoren und Kinder
hinzugezogen. Auch die Einspielfilme wurden um eigene Beiträge
ergänzt, denn sie sollen ja
die Lebenswelt der Kleinsten widerspiegeln.
Und die sieht in Deutschland ja anders aus als in Groß-Britannien!
Mehr als die Hälfte wurde
neu produziert oder stark bearbeitet. Anders als bei der »Maus«,
die auch Kult bei vielen
Jugendlichen und Erwachsenen ist, sind die »Teletubbies« für
Ältere schwer erträglich.
Zumal die Beiträge zum besseren Verständnis wiederholt
werden; die Kleinen haben
daran Spaß, weil sie Dinge wiedererkennen, Neues entdecken
und sich an einem Witz auch
zweimal erfreuen können. Ein Konzept, dessen Langsamkeit
aber im krassen Gegensatz
zu unseren heutigen hektischen Sehgewohnheiten steht! Es muß
sich also erst noch zeigen,
ob sich der britische Erfolg auch hierzulande wiederholt.
Zumal viele Eltern
die Grundsatzfrage stellen: Muß man in diesem Alter überhaupt
Fernsehen?
Wenn doch, dann hat die Ww-Eltern-Redaktion einen vier
Jahrzehnte erprobten sicheren Tip:
das »Sandmännchen«!
Artikel aus dem Evangelischen
Pressedienst (epd)
Redaktion: epd medien
Unter dem Titel "Die "Teletubbies", eh-oh" erschien folgender Artikel: (ungekürzt)
Beim Londoner "World Summit of
Children's Television" / Von Birgit Weidinger epd
Internationale Teilnehmer aus vielen Ländern,
ausgestattet mit Impetus, Neugierde,
Informationsmaterial und Kopfhörern, trafen sich in der
zweiten Märzwoche
im Elizabeth-II-Konferenzzentrum in London zum
"World Summit of Children's Television". Der erste
Kinderfernsehgipfel hat vor drei Jahren
in Australien stattgefunden, Griechenland wird im Jahr 2001
der nächste Gastgeber sein.
Die Veranstaltung entwickelt sich, so sah man in London, zu
einer Institution,
umfänglich und grundsätzlich sind die Referate, Workshops,
Masterclasses
und Diskussionsforen. Die Agenda wurde erstellt unter tatkräftiger
Mitwirkung
der Präsidentin Anna Home, der international angesehenen
ehemaligen Chefin
des BBC-Kinderprogramms.
Die britischen Medien haben ausführlich über die Konferenz
berichtet -
nicht aber in erster Linie über bestimmte Trends und
Tendenzen, interkulturelle Nahtstellen
oder Trennlinien zwischen reichen Ländern und Entwicklungsländern.
Schlagzeilen
machte vor allem ein einzelnes Programm, eine BBC-Serie für
Kleinkinder, die auch
in verschiedenen Radiosendungen der BBC anläßlich der
Konferenz heftig erörtert wurde.
Daß sich gerade an einer solchen, scheinbar harmlosen,
Programmangelegenheit
die Gemüter erhitzen, hat etwas Absurdes, und es ist
symptomatisch für Trends
und Tendenzen in der Medienlandschaft.
Die "Teletubbies", der Gegenstand der Kontroverse,
sind ein Fernsehprodukt der BBC
für Kinder ab zwei, eine Serie, die seit ihrem Start im Jahr
1997 sehr schnell beliebt,
erfolgreich und umstritten wurde. Als Erwachsener möchte man
zunächst ungläubig
schmunzeln, wenn man sie sieht, die Zwitterwesen, die da
auftreten.
Sie heißen Tinky Winky, Dipsy, Laa-Laa und Po, erinnern an
plüschige Teddybären,
stammen aber, deutlich erkennbar, von einem anderen Stern,
weil sie eine Art Antenne
auf dem Kopf tragen und in technologisch geprägten Gewölben
unter den Hügeln von
Teletubbyland hausen.
Die niedlichen Extraterrestrischen haben in ihren Bäuchen
eine kleine Mattscheibe
eingebaut, auf der sie den Kindern zwischendurch klare und
einprägsame Filme über
bestimmte Phänomene der realen Welt zeigen. Wie das mit dem
Regen ist zum
Beispiel oder wieviel sich an einem sandigen Strand ereignet.
Die Teletubbies
torkeln fröhlich über saftige Wiesen in ihrem Teletubbyland,
und die Sonne strahlt
nur so vom blauen Himmel, sie sprechen nicht, sie lallen uh-oh
und eh-oh,
kleinkindgemäß eben (die Darsteller sind Erwachsene, aber
von sehr kleiner Gestalt),
sie sind gelb und grün und rot und blau, und ihr Ambiente
hat den simplen Charme
von Bauklotz-Landschaften. Die Erfinderinnen der Teletubbies,
Anne Wood und Andrew Davenport von der Produktionsfirma
Ragdoll haben sich,
so versichern sie allen Kritikern, genau an den Vorlieben und
Bedürfnissen der Kleinkinder orientiert, als sie die Serie entwickelten.
Auch große Kinder sind zu Fans der Teletubbies geworden,
nachdem die sich auf dem
Bildschirm breitmachten, es entstanden Fanclubs, und es
finden sich auch Klatsch und Infos
über die Tubbies im Internet. Offensichtlich bieten die
Zwitterwesen manchem Erwachsenen
eine willkommene Flucht auf Zeit aus einer Berufs- oder
Alltagswelt, deren Farben nicht so
unerschütterlich bunt sind wie in der Welt der Teletubbies.
Es sei das Programm
der Sonnenbabies, sagen Bewunderer, weil die goldene Sonne
gar so milde und fröhlich
strahle im Teletubbyland.
In Asien und Südafrika, in Australien, in Italien, in Israel,
Dänemark, Portugal und weiteren
Ländern läuft die Serie mittlerweile oder ist dorthin
verkauft, und die Einnahmen
aus den Begleitprodukten, die von den BBC-Merchandisern als
hochqualifiziert verteidigt
werden - die Bücher, Puppen, Videos, CD-Roms und
Schallplatten also - übertreffen
alle Erwartungen. Die erste Single, "Teletubbies say ,Eh-oh!'",
wurde 1,2 millionenmal verkauft.
Werden die kleinen Krabbler zu Zwangskonsumenten getrimmt?
Gerade das brachte manche Beobachter auf dem Kinderfernsehgipfel in Rage.
Werde nicht die frühkindliche Unschuld durch solche
Programme und Produkte verdorben, die kleinen Krabbler zu Zwangskonsumenten getrimmt? Eine
norwegische Teilnehmerin
stellte den Wert der Serie in Frage mit dem Argument, Kinder
würden hier in eine fremdartige
Welt eingeladen, in der außerirdische Kleinkinder in
reduzierter Babysprache redeten.
Außerdem sei dies das marktorientierteste Produkt für
Kinder, das sie je gesehen habe.
Ob Kinder denn nicht lächeln dürften, fragte dagegen ein
britischer Teilnehmer,
der die Harmlosigkeit und Freundlichkeit der Tubbies
verteidigen wollte.
Und eine Vertreterin des amerikanischen PBS-Fernsehens, das
die Serie gekauft hat,
wurde gar ausfällig gegenüber deren Kritikern. Der Disput
blieb ungelöst und fand auch in
einem populären Morgenprogramm auf Radio 4 seinen
Niederschlag. Auch dort zeigte sich,
wie selbstverständlich sich Erwachsene manchmal gegen
Argumente abschotten,
die nicht in ihr Weltbild passen und die sie deshalb nicht
wahrhaben wollen.
Da wird dem Fernsehen schnell "Zwangsbeglückung" vorgeworfen...
Was also für welches Alter und für welche Zielgruppen und
mit welchem Merchandising?
Das alte, neue Argument, daß Kinder gerne Programme sehen,
die gar nicht für ihre
Zielgruppe bestimmt sind, wurde im Fall der Teletubbies
dadurch entkräftet,
daß eben die maßgeschneiderte, zielgerichtete Machart für
die Kleinsten ihre
Akzeptanz präge. Anna Home, ( Wood )der man kaum unterstellen kann,
Kinder als Käufergruppe ausbeuten zu wollen, bestand darauf,
daß die Vermarktung
solcher Programme gerechtfertigt sei, wenn die Kinder dadurch
einen zusätzlichen
Lern-, Anschauungs- und Unterhaltungsreiz erhielten. "Ich
würde mich einer zynischen
Ausbeutung der Kinder widersetzen, in der Kreativität nur
von kommerziellen Interessen
geprägt ist, doch diese Gefahr besteht nicht, wenn das
Programm selbst kreativ
und redaktionell verantwortungsbewußt gemacht ist und wenn
damit angemessener
Schutz vor Ausbeutung besteht." Und was die finanziellen
Gewinne durch
Merchandising angeht: Eine Übersicht des World Summit zeigte,
daß mit diesen
Gewinnen im Durchschnitt fünf Prozent der
Programmfinanzierung erreicht wird.
Schließlich wollten die Spielwarenfirmen erst sichergehen,
daß solche Serien ein
Erfolg würden. Andererseits bestreitet niemand, daß
Merchandising für die Finanzierung
ein unverzichtbares Element geworden ist.
Auf der Konferenz wurden auch neue Berichte über
Fernsehgewohnheiten
britischer Kinder vorgelegt, von denen es hieß, daß immer
mehr Kinder ein eigenes
Fernsehgerät im Kinderzimmer hätten. Es erscheine ihren
Eltern zu gefährlich,
sie draußen spielen zu lassen. Die vermehrte Nachfrage nach
Programmen
auf allgemeinen und Spezialkanälen sei also gegeben, doch
gleichzeitig werde
es immer schwieriger, hohe Qualitätsmaßstäbe beizubehalten.
Es gebe mehr Sendezeit,
aber nicht mehr Budget. Neue enorme Kosten entstünden auch
bei der Vermarktung
und dem Verkauf von Kinderprogrammen für die Vielzahl der
Kanäle.
Und eine weitere Prognose lautete:
Trotz der Expansion auf dem Online- und Computermarkt werde
sich auf dem
Kinderfernsehgipfel im Jahr 2001 das Fernsehen weiterhin das
populärste Medium für Kinder erweisen.
Welchen Stellenwert dann wohl die 1998er Babies aus dem
Sonnenland der
Teletubbies haben?
Statement
von Hennig Röhl, Fernsehdirektor des MDR sowie ARD-Koordinator Kinder-
und Familienprogramme (ungekürzt)
"Nun können auch
die kleinsten Zuschauer in der ersten reihe Platz nehmen. Der Kinderkanal,
das mutigste und innovativste Programm im Deutschen Kinderfernsehen,
startet eine neue Sendereihe für die kleinsten der Kleinen: Die
Teletubbies " Tinky Winky", "Dipsy", "Laa-Laa"
und die rote "Po" werden bestimmt die Kinderzimmer zwischen
Flensburg und Passau im Sturm erobern.
In England jedenfalls, wo die Serie 1997 erstmals über die
Bildschirme lief,
brach binnen weniger Wochen ein wahres Teletubby-Fieber aus und
katapultierte das neue Fernsehformat für Kleinkinder an die Spitze der
Beliebtheitsskala. Nun kann man die Frage stellen, ob es überhaupt
Sinnvoll ist, schon Kleinkinder
vor den Bildschirm zu locken. Es ist allen moralischen
und pädagogischen Bedenken
zum Trotz eine Tatsache, daß fast alle der 5,67
Millionen drei- bis neunjährigen Kinder
in Deutschland in sogenannten Fernsehhaushalten aufwachsen.
Rund 60% dieser Kinder
schauen täglich mindestens eine Minute fern. Zu diesem
Zeitpunkt des 24- Stunden- Tages
sitzen statistisch gerechnet circa 350.000 der Drei- bis
Neunjährigen vor dem Fernseher.
Wir wissen auch, daß sogar schon jüngere Kinder am
Fernsehleben der Eltern teilnehmen.
Vielleicht gelingt es, einen Teil dieser jungen und jüngsten
Zuschauer für dieses moderne
und pädagogisch wertvolle Kinderprogramm zu begeistern.
Redakteure des Kinderkanals und der ARD, die permanent die
Entwicklungen von Kinderfilm
und Kinderfernsehen in Europa und Amerika beobachten, habe
die "Teletubbies"
für Deutschland entdeckt und vorgestellt. Und wie immer gab
es Für und Wieder,
Ablehnung und Begeisterung. Die Entscheidung für dieses
Format war dann aber geprägt
von der Kompetenz und jahrzehntelangen Erfahrung des öffentlich-rechtlichen
Fernsehens,
jungen Zuschauern verständige, phantasieanregende,
emotionale und lustige
Geschichten zu erzählen. Vor der Entscheidung für die
"Teletubbies" gab es
selbstverständlich eine intensive Zusammenarbeit
von Redakteuren, Künstlern, Pädagogen, Medizinern, Eltern
und natürlich Kindern.
Wir brauchen also keine Angst zu haben, daß die kleinen
durch unsere neue
Sendung Schaden nehmen. In diesem Zusammenhang sei noch
einmal daran erinnert,
daß die "Sendung mit der Maus", das "Sandmännchen",
die "Sesamstraße",
die "Augsburger Puppenkiste" oder "Pumuckl"
längst das Synonym für qualitätsvolles
und erfolgreiches Kinderfernsehen in Deutschland sind.
Ich bin sicher, daß die "Teletubbies" bald
ebenfalls in diese Reihe gehören."
Vollständiger
Artikel von Anne Schlesinger, aus "Die Welt vom 29.03.1999"
Unter dem Titel "Kein
Erwachsener wird es je verstehen" , erschien folgender Artikel :
"Heute
beginnt die Invasion der "Teletubbies": Herumtollen, Gickern
und Seifenblasen zusehen
Tinky Winky wird von einem Schwert mitten
entzweigehauen, die Hälften sinken
blutspritzend zur Seite, immer wieder, endlos. Po verbrennt,
bis nur noch ein Skelett übrig bleibt. Dipsy und Laa-Laa werden ebenfalls blutig um
die Ecke gebracht.
Das ganze steht unter dem Schlachtruf:
Die Teletubbies müssen sterben." Keine Ironie ist
da zu spüren, nur der blanke Haß. Dazu die Warnung des Teletubbies-Feinds auf seiner Internet-Haßseite:
Eltern, Großeltern, gebt Euer schwerverdientes Geld
nicht für diesen Mist aus".
Man könnte glauben, es gehe um ein paar Monster, die da am
Pranger stehen.
Teuflische Verführer, die Gefahr für Leib und Seele
schlechthin.
Dabei sehen sie gar nicht so aus. Und benehmen sich auch
nicht so. Tinky Winky,
Po, Laa-Laa und Dipsy erinnern an diese pflegeleichten
Babypuppen aus
Stoff die mit dem Plastikgesicht, die man ohne weiteres in
die Waschmaschine
stecken konnte, um ihren vollgesabberten Ganzkörperanzug
wieder sauber zu bekommen,
und die danach wieder fast wie neu aussahen. Die vier Teletubbies tragen eine Art Antenne auf dem Kopf und
lallen vor sich hin.
Kleinkindsprache, die kein Mensch versteht, außer vielleicht
Ein- bis Dreijährige.
Für die das auch so gedacht ist. Knallbunt kommen sie daher
der pinkfarbene
Tinky-Winky mit dem roten Handtäschchen, die gelbe Laa-Laa,
die sich Stunden
mit ihrem Ball beschäftigen kann, die rote Po, die ohne
ihren Roller nicht denkbar ist
und der grüne Dipsy mit dem Hut.
Auf ihrem Bauch tragen sie einen Monitor, und wenn darin ein
Film läuft,
schauen die anderen drei hingerissen zu, wollen immer wieder
den gleichen Streifen sehen.
Ihre Welt ist großflächig und weit, die Wiese knallgrün,
der Himmel grellblau,
die Sonne trägt ein freundliches Babygesicht. Überall ragen
ein paar an Telefonhörer
erinnernde Geräte aus dem Boden, ab und zu tönen daraus
unsinnige und sich
ständig wiederholende Anweisungen, denen die Teletubbies
hingerissen lauschen.
Eine kleine Ewigkeit passiert gar nichts, und das wenige, was
trotzdem geschieht,
wiederholt sich, immer wieder. Fünf Minuten lang tollen die
Tubbies um
Seifenblasen herum, gackern und gicksen durch die Gegend,
sind fröhlich,
und kein Erwachsener wird sie je verstehen.
So richtig unbeschwerten Spaß haben tatsächlich nur
Kleinkinder an ihnen.
Die erste Fernsehserie, die nur für sie erdacht und
produziert wurde, fesselt die Kleinen,
läßt sie mitlallen und ihre Eltern fassungslos den Kopf schütteln.
Als die Teletubbies
vor zwei Jahren in Großbritannien anliefen, brach ein
Proteststurm los. Empörte Eltern
beschwerten sich, die Zeitungen berichteten seitenweise, die
Diskussionen nahmen kein Ende.
Erst als Dutzende Psychologen die Serie getestet und für gut
befunden hatten, zog Ruhe ein.
Und etwas Seltsames geschah: Die Erwachsenen gerade noch
auf einem Kreuzzug für ihre
unschuldigen Kinder, entrüstet und voll gerechten Glaubens
wurden Fans.
Vor allem unter Studenten entwickelte sich die Serie zum Hit;
die Teleclubbies" wie sie sich
nannten, konsumierten ihre Serienhelden bevorzugt nach Rave-Parties,
noch unter dem
Einfluß von Ecstasy und Marihuana stehend, ebenso gickernd
und gacksend wie die
knallbunten Pseudobabies ihre Filme aus dem Bauch. Inzwischen gibt es im Internet Hunderte von Fanseiten zu den
Teletubbies, eine euphorischer
als die andere. Regelrechte Zeichenwettbewerbe unter den Fans
laufen da ab.
30jährige malen ihren Lieblingstubby ebenso begeistert wie
Drei- oder Achtjährige.
Doch auch die Zahl der Haßseiten wächst. Nur selten sind
sie derart brutal und blutrünstig
wie die anfangs beschriebene.
Vor allem in den USA entfachten die vier einen regelrechten
Glaubenskrieg.
Schwulengruppen haben sich Tinky Winky zum Symbol erkoren
der Junge trage schließlich
nicht ohne Grund lila Kleidung und eine rote Handtasche.
Will man der Erfinderin Anne Wood glauben, hatte die ganz
andere Ambitionen. Ihr Ziel:
Eine Serie nur für die ganz Kleinen, die sonst zwar auch vor
der Glotze hocken,
aber das Falsche sehen. Besser als Sesamstraße"
sollte es werden, weil hier keine
Ideen aufgezwungen, sondern statt dessen Lebensgefühl,
Sicherheit und Spaß erlebt werden"
so ihre Erklärung. Pädagogisch wichtig also. Immerhin
Anne Wood ist keine Anfängerin.
Für diverse Kinderserien erhielt sie Auszeichnungen, für
die Tubbies inzwischen sogar schon
den Prix Jeunesse. Die Tubbies sind ein Riesengeschäft.
Das Merchandising hat von Beginn an eingeschlagen, die Puppen
wurden anfangs sogar
absichtlich in geringer Auflage produziert, um die Nachfrage
anzufachen.
Anne Wood heimste in einem einzigen Jahr 40 Millionen Pfund
Gewinn ein.
Ihre Produktionsfirma warf allein im vergangenen Jahr zehn
Millionen Pfund ab nur durch
Lizenzvereinbarungen mit der BBC und Spielzeugherstellern.
In Amerika wurden die Teletubbies vermarktet wie eine
Rockgruppe. Die amerikanische
Version der Tubbies ist gesponsert von Kelloggs. Die Tubbies
haben sich als das erste
britische Spielzeug erwiesen, das in 50 Ländern zugleich
eingeschlagen und sogar den
japanischen Markt erobert hat.
Hunderte Plakate der vier wurden in Hollywood angebracht.
Selbst Jay Leno kommentierte die Hysterie: Sie sind kindlich, reden nicht viel, und
sie haben Fernseher auf dem Bauch
mit anderen Worten, für die meisten amerikanischen Männer
die reinen Traumpartner."
Jetzt halten sie auch in deutschen Kinderzimmern Einzug. Ab
heute laufen sie auf dem Kinderkanal, zweimal täglich, die ganze Woche außer Sonntag.
Einen hohen pädagogischen Impetus" bescheinigt MDR-Fernsehdirektor Henning Röhl
den Geschichten um die vier Kerlchen.
Alle Dialoge seien extrem redundant", es werde ständig
wiederholt und erklärt.
Im Unterschied zu gängigen Trickfilmen seien die Tubbies von
sehr langsamen Schnittfolgen geprägt. Auch wenn vermutlich hierzulande bald
Fanclubs aus dem Boden
sprießen und Haßseiten im Internet abgelegt werden, der
Zielgruppe wird das egal sein.
Die wird glücklich plappernd vor der Glotze hocken und sich
minutenlang Seifenblasen anschauen. Besser als die meisten Talkshows sind die
Teletubbies allemal. "
Vorangehend wurde im Artikel eine Sendung
beschrieben und wie eine Gruppe Kinder darauf reagierte.
"....Es ist ihre
Kinderwelt, in die sie da eintauchen. Extra für sie gemacht. Kein
wunder, daß diese Welt für uns Erwachsene so fremd und gewöhnungsbedürftig
ist.
Vier brabbelnde, leicht tolpatschige Aliens trotten. Hüpfen
und tanzen durch die Wunderwelt,
in der Toast mit rosa Pudding durch die Luft segelt, in der
ein Staubsauger herumdüst,
wo Telefonhörer aus der Erde wachsen, High-Tech-Geräte eher
vorkommen
als wie wir Erwachsenen meinen viel
kinderfreundlichere Kuscheltiere.
Als die Teletubbies im März 1997 in England das laufen
lernten, hagelte es Kritik von
allen Seiten. Eltern hatten Angst, ihre Kinder würden in die
Babysprache zurückfallen.
Pädagogen schimpften, man zeige nur heile Welt, die Kinder würden
so nicht auf das
richtige Leben vorbereitet. Selbst Englands Bildungsminister
distanzierte sich von diesen
"Techno-Alien-Babys", wie er sie nannte. Nur bei
den Kindern selbst kamen die Teletubbies
auf Anhieb an. Anne Wood, Autorin der Serie: " jede
Folge haben wir im Kindergarten getestet.
Was den Kindern nicht gefiel, haben wir aus den Sendungen
herausgenommen und ersetzt.
Die Teletubbies gehen voll auf das Sehbedürfnis und die
auch stark von Technik geprägte
Welt der Kinder ein. Die Wiederholungen helfen ihnen, Dinge
besser zu verstehen.
So stärken die Kinder auch ihr Selbstvertrauen."
Kurze zeit später bestätigten auch Psychologen, daß die
Serie durchaus bedenkenlos
für Kleinkinder sei. Startschuß zum gigantischen Tubby-Siegeszug.
In über 30 Ländern " heute schon über 50 Länder
" sind sie inzwischen verkauft worden.
Millionen Kinder zwischen New York, London und Rotenburg an
der Wümme tauchen
regelmäßig ein ins kunterbunte Pummel-Land.
Und rund um die vier Kuschel-Brabber hat sich ein
Merchandising-Markt entwickelt,
wie man ihn lange nicht erlebt hat. Allein zwei Milliarden
Mark Umsatz wurden im
letzten Jahr in den USA mit Puppen, Büchern, Videos, Puzzle
und anderen
Teletubby-Prdukten gemacht. Sogar schon Kult-Charakter haben
Tinky-Winky & Co inzwischen erreicht. In der Londoner
Clubscene ziehen sich die
Tänzer zwischendurch oder nach den Partys zur Entspannung
die Teletubbies rein. Der Titelsong der Serie " Teletubbies say eh-oh"
katapultierte sich auf Platz eins der
britischen Charts. Nur Norwegen hat sich bislang gegen die
Tubby-Mania gewehrt.
Dort warnte der Kindersender NRK davor, diese Serie
auszustrahlen, weil sie für Kinder
nichts taugte. Das der ARD/ZDF-Kinderkanal trotz dieser
Warnung und anfänglicher
Bedenken die Tubbies mit zunächst 90 Folgen ins Programm
nahm ( Fortsetzung geplant),
zeigt, daß man dort aus der Vergangenheit gelernt hat. Als nämlich
1971
die "Sesamstraße" bei uns startete, klinkten sich
drei ARD-Sender ( * ) aus.
Oscar in der Tonne und keksfressende Monster hielten sie für
pädagogisch sehr gefährlich.
Darüber lacht heute, 28 Jahre später, nicht nur die
quietschentchengelbe Sonne. "
[ * ] Neurosen und Aggressionen befürchteten Kritiker
bei Kindern, als 1971 die Sesamstraße
bei uns anlief. Oscar & Co waren für sie unappetitliche Ghetto_Chaoten. Während NDR, BR,
SFB und WDR die ersten Folgen in ihren drei Programmen
ausstrahlten, weigerten sich die Süd-Sender. Hauptgegner war der Bayerische Rundfunk, der u.a.
eine Amerikanisierung deutscher Kinder befürchtete. BR-Fernsehchef Öller damals:
" Daß Sesamstraße den amerikanischen Kindern aus den
Farbigen-Ghettos und den
dortigen Unterprivilegierten angepaßt ist, steht außer
Zweifel!" "
Die Teletubbies sind eine völlig neue Form
des Fernsehens für Kinder.
Gewöhnungsbedürftig zwar für uns, aber punktgenau die Seh-Welt der
Kinder treffend. Die Wiederholungen helfen den Kleinen, Gesehenes
zu begreiffen und zu verarbeiten. Und die Babysprache hat einen
Vorteil: Es ist die Sprache der jüngsten Zuschauer, ihre Sprache,
ihre Worte für Dinge, die sie verstehen. So ergibt sich eine Synthese
von Bild und Wort, die Sehen, Hören und die Kombination von beidem
schuld.
Die Teletubbies sind unbedenklicher Fernsehgenuß für Kinder.
Trotzdem sollten Eltern sie nicht alleine vor dem Bildschirm
lassen, sondern mit ihnen
gemeinsam schauen, um aufkommende Fragen beantworten zu können. "
[ Prof. Dr. Peter Struck ,
Erziehungswissenschaftler, Hamburg]
Fernsehen für Kinder muß nicht mehr
automatisch besserwissend oder pädagogisch
wertvoll sein. Zunächst soll es einfach unterhalten, und
wenn es noch etwas vermittelt,
um so besser. Das gilt auch für Kleinkinder, die heute mit
dem Fernehen so
selbstverständlich aufwachsen wie mit anderem Spielzeug.
Insofern sind die
" Teletubbies " nur das konsequente Angebot auch für
diese Altersgruppe:
Nette Unterhaltung mit ein bißchen Lernen. Der Wert der
Teletubbies besteht für
Kinder darin, daß sie sie gern haben können.
Sie haben ein hohes Teddy-Potential und sind allemal besser
als die " Haudrauf"-Figürchen
manch andere Serie. Die Teletubbies sind harmlos. Erwachsene
sollten akzeptieren,
daß sich Ästhetik und Erzählstrukturen mit jeder
Generation ändern."
[ Prof. Jo Groebel, Medienwissenschaftler,
Universität Utrecht, Holland ]
"Eh-oh"
und "Uh-oh" - Umstrittenes Programm - Anti-Websites
Die Konversation in der Fernsehserie "Teletubbies"
beschränkt sich auf "Eh-oh" und "Uh-oh".
Manchmal ist minutenlang nur eine grüne Wiese mit
herumhoppelnden Häschen zu sehen.
Oder ein Kind, das sich umständlich die Schuhe anzieht. Die
vier Stars - Dipsy, Laa- Laa,
Po und Tinky-Winky - finden es auch beim zehnten Mal noch
komisch, wenn sie einen
Ball danebenschießen. Und doch ist die Sendung ein
Riesenerfolg. Denn sie erschloß dem
Fernsehen eine neue Zielgruppe: Babys und Kleinkinder.In Großbritannien
hat der
Tubbie-Standard-Ausruf "Eh-oh" längst Eingang in
die Erwachsenensprache gefunden.
Wird auf einem Bahnsteig in der Londoner U-Bahn eine Zugverspätung
angekündigt,
ertönt aus der Menge der wartenden Pendler ein resigniertes:
"Eh-oh!"
Der Titelsong "Teletubbies say eh-oh" verdrängte
sogar die Spice-Girls von Platz eins der
britischen Hitparaden.
Das hatte niemand vorhergesehen, als die Tubbies vor genau
zwei Jahren zum ersten
Mal über die britischen Bildschirme stapften: torkelnd,
brabbelnd und bei geringsten
Anläßen in lautes Gekicher ausbrechend. Wer sind die
Tubbies eigentlich?
Sie haben Antennen auf dem Kopf, und in Bauchhöhe ist ein
Monitor eingebaut.
Kommen sie von einem anderen Stern?
Die Frage wird in keiner Folge beantwortet - das Publikum
interessiert sich doch nicht dafür.
Die BBC glaubt zu wissen, was Windelträger sehen wollen. Die
Serie sei ausführlich an
Zweijährigen getestet worden. Nach Angaben des Senders, der
sein Produkt mittlerweile
in 30 Länder verkauft hat, "fördert 'Teletubbies' das
Denkvermögen kleiner Kinder, lehrt sie,
zuzuhören, verstärkt ihre Neugier und Phantasie und
stimuliert ihr Selbstbewußtsein".
Mancher Erziehungswissenschafter tippt sich da nur an die
Stirn. Beim Start der Serie
hagelte es Kritik. Schiere Verblödung sei das Ganze, weil
nur in der Babysprache gesprochen werde und die einfachsten Handlungen endlos wiederholt
würden. Doch
das ist noch der
harmloseste Vorwurf. Viele finden die Serie gefährlich und
unheimlich. Und wirklich,
es geschehen seltsame Dinge im Teletubbie-Land.
Plötzlich wachsen Telefonhörer aus dem Rasen, und eine
blecherne Stimme gibt den
Tubbies Befehle - wie bei George Orwell. Schlimmer, manch
einer fühlt sich durch
die flimmernden Monitore auf den Tubbie-Bäuchen an den
Horrorfilm "Poltergeist" erinnert,
wo ein Mädchen hypnotisiert auf einen rauschenden Bildschirm
starrt und flüstert:
"Sie sind hier." Konservative amerikanische
Christen aben die Serie als
"Teufelswerk" gebrandmarkt, weil sie Homosexualität
propagiere. In ihren Augen ist es
"höchst verdächtig", daß Tinky-Winky, obwohl ein
Bub, im rosa Strampler und mit einer
Handtasche herumläuft. Auf Anti-Tubbie-Websites im Internet
können genervte Eltern die Idole ihrer Kinder per Mausklick von einem Felsbrocken
erschlagen lassen. Doch die Tubbies sind nicht totzukriegen.
Bisher seien sie noch in jedem Land ein Erfolg gewesen, teilt die BBC selbstbewußt mit.
"
Unter
dem Titel "Fernsehen
für Babys"
erschien folgender Artikel
im schweizer' Brückenbauer Nr. 15, vom 13.04.1999'
(Artikel und Interview ungekürzt wiedergegeben)
"Fernsehen
für Babys
Die bunten Fabelwesen "Teletubbies", die bald auf SF DRS
zu sehen sind, sollen Kleinkinder vor den Bildschirm locken. Verführen
die farbigen Kreaturen allzufrüh zum Fernsehkonsum? Die vier ulkigen
Gestalten heissen Tinky-Winky, Dipsy, Laa-Laa und Po. Sie sehen
aus wie eine Mischung aus Teddybären und zwergwüchsigen Aliens.
Jede der Kreaturen hat auf dem Kopf eine Antenne und im Bauch einen
Bildschirm. Ab und zu dreht sich ein magisches Windrad. Dann beginnen
die vier Mattscheiben zu flimmern und zeigen lehrreiche Kurzfilme,
in denen es darum geht, wie man einen Kuchen bäckt oder ein Fahrrad
repariert. Die vier kunterbunten Wesen sind die Teletubbies - die
Helden einer gleichnamigen Serie, die vom englischen Sender BBC
seit zwei Jahren mit grossem Erfolg ausgestrahlt wird. Bereits ist
die Serie in über 30 Ländern zu sehen. Bald tollen die Teletubbies
auch durch das Programm von SF DRS. Die englischen Schöpfer der
Teletubbies haben die Serie für Kinder im Alter von eineinhalb bis
drei Jahren entwickelt. Die Sendung ist so langsam geschnitten,
dass auch kleine Kinder dem Rhythmus der Bilder folgen können. Doch
gerade das macht die Sendung zur Zielscheibe von Kritik.
Die Zeitschrift «Spiegel» nannte die Teletubbies «Sandmännchen auf
Ecstasy» und meinte ironisch, die Serie richte sich an Babys, «also
an Menschen, für deren Entwicklung es nichts Dringlicheres gibt
als fernzusehen». Dani Bodmer, der zuständige Redaktor am Schweizer
Fernsehen, weist diese Kritik zurück. «Wir wollen mit den Teletubbies
nicht Babys an den Bildschirm fesseln. Wir zeigen die Serie eingebettet
in ein Kinderprogramm, das auf Fünf- bis Siebenjährige zugeschnitten
ist.» Dani Bodmer lobt die «Wärme und Herzlichkeit» der vier Serienhelden.
« Die Teletubbies benehmen sich nie aggressiv. Sie behandeln sich
gegenseitig sehr rücksichtsvoll und umarmen sich immer wieder.»
Faszinierend findet Bodmer den Schauplatz der Serie, ein sanfthügeliges
Märchenland. Doch die heile Welt der Teletubbies löst bei manchen
Menschen offenbar heftige Abneigung aus. Zu kaum einer anderen TV-Sendung
finden sich im Internet so viele «Hass-Seiten». Auf diesen Seiten
werden die vier herzigen Serienhelden beschimpft
und sogar hingerichtet. Die Teletubbies können froh sein, dass sie
in ihren Bäuchen nicht auch noch Internet-Anschlüsse haben, sonst
bekämen sie wohl eine heftige Magenverstimmung.
[ Michael West ] "
In
der gleichen Ausgabe erschien folgendes Interview
(ungekürzt)
"Fernsehen nie als Elternersatz"
Der Medienpädagoge Christian Doelker* über Kleinkinder vor der Mattscheibe
und die Teletubbies. «Brückenbauer»: Ab welchem Alter sind Kinder «reif»
für den Fernseher?
Christian Doelker: Während
der ersten drei Lebensjahre gehören Kinder nicht vor den Bildschirm.
In dieser Zeit müssen sie sich in die Wirklichkeit hinaustasten und die
Welt spielerisch erkunden.
Die Experimentierlust von Kindern erlahmt, wenn man ihnen von Anfang
an einen Ersatz für die Realität anbietet. Vor allem darf der Fernseher
in den frühen Jahren kein Elternersatz sein. Denn der enge Kontakt
mit Mutter und Vater lässt in dieser Phase das Urvertrauen wachsen.
Was halten Sie von der Serie «Teletubbies»? Diese Sendereihe steht durchaus in der Tradition der liebevoll
gestalteten BBC-Kindersendungen. Solange kleine Kinder die Show
zusammen mit ihren Eltern anschauen, habe ich nichts dagegen einzuwenden.
Bedenklich scheint mir nur, dass die vier Teletubbies wie lebende
TV-Apparate aussehen. Damit wird Kleinkindern die Botschaft vermittelt,
der Fernseher sei ein elementarer und unverzichtbarer Bestandteil
der Welt.
Es gibt Internet-Seiten, auf denen die Teletubbies
hingerichtet werden. Warum lösen die vier herzigen Figürchen solche Aggressionen
aus? Die Medien sind voller Gewaltdarstellungen. Ausbrüche von
Aggression sind in der TV-Welt fast der Normalfall. Die Teletubbies, die
vollkommen friedfertig und «lieb» sind, wirken in dieser Umgebung wie
Fremdkörper und provozieren darum Ablehnung. Die vier Gestalten werden also
dafür bestraft, dass sie mitten in einer unheilen Medienwelt ein Stücklein
heile Welt verkörpern.
Interview Michael West
*Christian Doelker ist Professor für Medienpädagogik an der Universität
Zürich."
Aus
TV Movie online, Aktuelles Heft: Story schrieben Cristina Althoff-Preira/Birgit
Bieker (ungekürzt)
"Sendboten des Satans?"
Noch
nie wurde Kinderfernsehen so angefeindet wie im Fall der
"Teletubbies" -
jetzt läuft die erste Serie für ein- bis dreijährige
Zuschauer auch in Deutschland an.
Kaum zu glauben, daß vier flauschige Außerirdische so einen
Haß auf sich ziehen können:
Die Kinderserie "Teletubbies" stecke voller
Anspielungen auf "Drogen und Homosexualität",
schrieb das US-Blatt "Entertainment Weekly", und
der englische
Erziehungswissenschaft- ler James Gallagher wetterte,
durch die pausbäckigen Brabbler "verlernen Kinder das
Sprechen".
Was hat es auf sich mit den "Sendboten des Satans",
wie besorgte US-Eltern sie nannten?
Die "Teletubbies" sind die erste Serie für Ein-
bis Dreijährige - und bei der schnullernden
Zielgruppe weltweit ein Erfolg. In über 30 Ländern sehen Kleinstkinder zu, wenn die "Tubbies"
brabbelnd durch ihre surreale Welt hüpfen, in der Telefonhörer
aus dem Boden wachsen, Staubsauger sprechen können und als Nahrung "Tubbie"-Toast
mit Pudding dient.
Erfolgsrezept: versaute Wände Als die BBC vor zwei Jahren
ihre Serie in England vorstellte,
wogte eine Welle der Entrüstung: Sollten Einjährige überhaupt
fernsehen? Die BBC konterte
gelassen, daß Kinder davon sowieso nicht abzuhalten seien
und es zum ersten Mal eine
auf sie zugeschnittene Sendung gebe. Dies nämlich ist das
Geheimnis der vier drolligen
Zwerghelden: Sie sind exakt auf Kleinkinder zugeschnitten und
intensiv an ihnen getestet
worden. Deshalb wiederholen die "Teletubbies" ihre
Sprachfragmente bis zu sechsmal;
deshalb benötigt in einem Einspielfilmchen ein Kind schon
mal fünf Minuten, um eine
Jacke anzuziehen; deshalb dürfen die Tubbies ungestraft
Pudding an die Wand schmieren.
Lehrer warnen, Kinder juchzen So was macht den Nachwuchs glücklich
und beschert der
BBC satte Einnahmen. Nun hat auch der Kinderkanal zugegriffen.
Dessen Programmgeschäftsführer Albert Schäfer sagt, die
"Tubbies" seien "nicht schädlich",
gibt aber zu: "Man darf sich nicht fragen, ob sie auch
wertvoll sind.
" Die Pädagogen sind sich einig - so sagt Prof. Dieter
Erlinger von der Uni Siegen:
"Zu lernen gibt es hier nichts." Klar, nichts kann
Kids Erfahrungen in der wirklichen Welt
ersetzen. Aber wenn Einjährige losjuchzen, weil Laa-Laa (die
Gelbe) sich über
das Babygesicht der Sonne totlacht, ist die Frage erlaubt: Können
"Tubbies" Sünde sein?
Und wer meint, Ein- bis Dreijährige sollten nicht fernsehen,
der braucht sie ja einfach
nicht fernsehen zu lassen.